Um Punkt 19.30 ging das Licht aus. Auch im übertragenen Sinne. Denn die einleitenden Worte zum Abend des SMCHH zu Gast bei SinnerSchrader und deren Agenturtochter Haasenstein sorgten für ein Missverständnis.
Um es gleich vorweg zu nehmen. Nein, das war nicht der letzte Event des Social Media Club Hamburg überhaupt. Vielmehr sollte die Einleitung eine Anspielung auf eine Personalie sein, die vor kurzem durch die Internetszene ging. Nico Lumma, seines Zeichens Director Social Media bei Scholz&Friends wird zum Jahresende seinen Arbeitgeber verlassen. Wie die W&V berichtete, wird seine Position bei Scholz&Friends nicht neu besetzt, da Social Media inzwischen zum festen Bestandteil der Agenturarbeit geworden ist.
Wenn eine so renommierte Agentur entscheidet, dass es für Social Media keinen expliziten Ansprechpartner mehr bedarf, braucht man dann noch einen Club, der sich diesem Thema ausschließlich widmet?
Auch wenn zu Beginn eher ein Schulterzucken oder Fragezeichen in den Gesichtern der Besucher zu lesen war, so wurde die Frage am Ende des Abends durchaus mit „Ja!“ beantwortet.
SinnerSchrader, Haasenstein & Social Media
In einer etwas mehr als 90-minütigen Session haben
Manuel Stolte, Head of Insight & Strategy bei SinnerSchrader und
Gero Quast, Leiter Beratung bei Haasenstein kontroverse Thesen über Social Media aufgestellt. Die Diskussion im Anschluss zeigte denn auch, dass es nach wie vor viel Gesprächsbedarf gibt. Die Erfahrungen im kommerziellen Einsatz von Social Media sind nach wie vor sehr frisch, so dass man in einigen Bereichen von allgemein gültigen Erkenntnissen nach wie vor noch ein gutes Stück entfernt ist. Aber der Reihe nach.
Manuel Stolte stellte zunächst SinnerSchrader näher vor. Die Digital-Agentur ist der Internetbranche spätestens durch die Next Conference, die jährlich von ihr ausgerichtet wird, ein Begriff. Die Full-Service Agentur informiert über E-Commerce-Lösungen von der Beratung über die Umsetzung bis zur Betreuung. Die inzwischen mehr als 400 Kollegen verteilen sich auf die Bereiche Beratung (25%), Kreation (25%) und Technik (50%).
Ihre Agenturtochter Haasenstein wurde Anfang des Jahres gegründet und versteht sich selbst als „Kreativagentur, die in einer digitalen Welt Marken hilft ein Gesicht zu bekommen“. Ihr Motto lautet „Digital first, analog next.“
5 Thesen zu "What the f*** is Social Media?"
Im Anschluss an diese kurze Einführungsrunde wurde das Thema des Abends „What the f*** is Social Media“ aufgegriffen. Fünf Thesen dienten dazu Kontroverse zu schaffen und Impulse für einen konstruktiven Dialog unter den Anwesenden zu liefern. Die Thesen im Steno:
Zur Frage „Was ist Social Media?“
„Media“ sind die Menschen. „Social“ sind die Themen. „Social Networks“ sind die Beschleuniger (=Tools). Was Marken denken, was ihre Kunden wollen, und was die Kunden tatsächlich wollen, stimmt meist nicht überein. Hier klafft eine Lücke, die es zu schließen gilt.
Zu den Thesen:
#1 Deutschland ist ein Entwicklungsland.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich eher hinten. Es gibt weniger Zuspruch und Interaktivität. Die Gründe sind rein spekulativ, sicherlich aber vielfältig. Unter anderem werden „Zurückhaltung bei den Menschen“ und „schlechte Inhalte seitens der Marken“ genannt.
#2 Facebook ist Kundenbindung.
Es gibt drei Arten von Fans: (1) Der Fan als Schnäppchenjäger, (2) der Fan als wahren Fan und (3) der Fan als Jünger. Die hierfür genannten Beispiele lauteten (1)
Deutsche Bahn, (2)
Coca-Cola und (3)
FC Bayern München.
Der Schnäppchenjäger ist nicht auf Interaktion aus, sondern will den Deal. Der Fan definiert sich über die Marke und teilt sich innerhalb seines Netzwerks entsprechend mit. Der Jünger setzt sich intensiv mit der Marke auseinander und tauscht sich viel mit Gleichgesinnten aus. Hier ist die Interaktionsrate mit Abstand am Größten.
#3 Inhalt ist König.
Inhalte können den Menschen „packen“. Oftmals sind es Absurditäten und witzige, unterhaltende Elemente, die den Menschen ansprechen und ihn zur Aktion („Share“, „Like“) bewegen. Derlei Inhalte verbreiten sich von selbst. Hat eine Marke keine guten Inhalte, kann sie immer noch mit einem sehr guten Service punkten. Denn ein guter Service kann auch „Inhalt“ sein.
#4 Das Ende der Marktforschung.
Durch gezieltes Online-Monitoring über alle Kanäle einschließlich Mobile lassen sich Informationen über die eigenen Kunden gewinnen, die in Produktideen und inhalte-getriebene Kampagnen fließen können. Als Beispiel wurde die Fluggesellschaft „KLM“ mit ihrer
„Surprise“-Kampagne eingebracht.
#5 Social Media als Business Changer.
Daten, die durch die öffentliche Nutzung von Social Media entstehen, können einer Marke helfen, ein Produkt zu veredeln. So sind schon diverse Produkte erfolgreich über die Crowdfunding-Plattform
Kickstarter entstanden, die teils von großen Firmen aufgegriffen wurden (Beispiel:
iPod Nano als Armbanduhr / Apple). Eine Verknüpfung mit anderen Diensten, beispielsweise Amazon mit Facebook, kann das Online-Shoppen vereinfachen und so für ein besseres Einkaufserlebnis sorgen.
Besonders dramatisch aber scheint die Entwicklung weg von der Unternehmens-Webseite hin zu
Facebook-Brand-Pages zu sein.
Starbucks.de hat beispielsweise auf der deutschen Webseite ca. 16.000 eindeutige Besucher pro Monat. Ihre komplementäre
Facebook-Seite zählt jedoch bereits mehr als 300.000 Fans. Hieraus könnte sich für Unternehmen eine Verschiebung der Priorisierung ergeben.
Im Anschluss an der Vorstellung dieser Thesen entwickelte sich wie erhofft eine rege Diskussion. Es gab Zuspruch und Widerspruch gleichermaßen. Auch nach dem offiziellen Teil des Abends gingen die Diskussionen weiter. So endete dieser spannende Abend in netter Atmosphäre im Networking bei Getränken und Snacks.
Unser Dank gilt dem Team von SinnerSchrader für die Gastgeberschaft und die interessanten Einblicke in ihr Wirken und Denken. Vielen Dank auch an alle Besucher für den gelungenen Abend.
Mit diesem Event endet unser Veranstaltungsjahr 2011. Es hat viel Spaß gemacht. Wir bedanken uns bei allen Besuchern, Partnern, Sponsoren und Freunden des SMCHH. Wir kommen im nächsten Jahr wieder! Unmissverständlich!
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